Grundschule - Rechtstipps vom Rechtsanwalt

Bitte beachten Sie unsere Nutzungs-Hinweise.

 

Bitte lesen Sie auf der aktuellen mobilen Ansicht (BLOG) in den aktuellen Posts und in den aktuellen Rubriken wie etwa Schule, Prüfungsrecht weiter, denn hier werden keine Aktualisierungen mehr vorgenommen.

 

Einschulung 2017 - vorzeitige Einschulung - Zurückstellung

 

Schulpflicht zu einem Stichtag hin oder her. Eine vorzeitige Einschulung kann für jüngere begabte Kinder sinnvoll sein (Kann-Kinder). Ebenso sinnvoll kann es sein, ein an sich schulpflichtiges Kind vom Schulbesuch zurückzustellen.

 

Die Schulgesetze der Bundesländer sehen auch, dass Kinder unterschiedlich entwickelt sind und räumen die Möglichkeiten einer vorzeitigen Einschulung bei einem KannKind oder die spätere Einschulung durch Zurückstellung ein. Manches Bundesland nutzt auch die Formulierung Rückstellung, die Begriffe variieren also.

 

Den Antrag auf vorzeitige Einschulung oder den Antrag auf Zurückstellung vom Schulbesuch für schulpflichtige Kinder aus wichtigem Grund zu stellen, scheint scheinbar einfach zu sein. Das Internet gibt sich voll mit Hinweisen.

 

Wenn die Ablehnung des gestellten Antrags dann im Briefkasten liegt - was daraufhin tun?

Einschulung 2017 - Schulbezirkwechsel - Antrag - Gestattung - Zuweisung

 

In den deutschen Bundesländern gilt die Schulpflicht. Für Kinder, die das sechste Lebensjahr bis zu einem Stichtag vollendet haben, beginnt in der Regel die Schulpflicht.

 

Das verfassungsrechtlich gesicherte elterliche Erziehungsrecht gibt den Eltern grundsätzlich das Recht, eine Schule für ihr Kind zu bestimmen. Allerdings kann das staatliche Schulwesen nicht jeder individuellen Begabung eines Kindes Rechnung tragen. Insofern können Eltern und Schüler - mit Einschränkungen - aus den vorhandenen „standardisierten“ Bildungseinrichtungen auswählen. Den Begriff "freie Schulwahl" sollten Sie als Eltern daher nicht allzu wörtlich nehmen.

 

Schulbezirk
Ob eine Grundschule ein Kind aufnimmt, wird meist von dem Wohnort innerhalb eines Schulbezirks abhängig gemacht. Schüler gehen in die Grundschulen, in deren Bezirk sie bzw. ihre Eltern den Wohnsitz haben (Schulbezirk oder Schulsprengel). Schüler erfüllen ihre Schulpflicht in der jeweils örtlich zuständigen Grundschule.

 

Antrag
Möchten Sie Ihr Kind in einer "unzuständigen" Grundschule (Grundschule in einem anderen Stadtteil bzw. Stadtbezirk) einschulen bzw. beschulen lassen, so können

Sie als Eltern einen Antrag auf Gestattung des Besuchs einer anderen als der zuständigen Schule stellen - sog. Gestattungsantrag in Hessen -

 

bzw. Sie als Eltern in Rheinland-Pfalz können die Zuweisung an eine andere Grundschule beantragen.

 

Aus wichtigem Grund und auf Antrag hin kann nämlich der Besuch einer anderen als der zuständigen Schule durch Gestattung bzw. Zuweisung erfolgen.

Rechtsschutzmöglichkeiten

 

Überprüfung der Ablehnung möglich und auch sinnvoll

Wird Ihr Antrag abgelehnt, so können Sie als Eltern die Sache durch behördlichen Widerspruch oder anschließend durch Verfahren bei Gericht auf Richtigkeit hin überprüfen lassen. Die Frage, ob diese Verfahren ohne rechtsanwaltliche Unterstützung geführt werden können, möge sich jeder selbst beantworten.

Grundschulempfehlung falsch?

 

Nach der Klasse 4 wechseln in den meisten Bundesländern Schüler auf eine weiterführende Schule ab Klasse 5. Es besteht nun die Idee, die Schüler "begabungsgerecht" auf das (überwiegend nur noch vorhandene) zweigliedrige Schulsystem zu verteilen. In der 4. Klasse geben die Grundschullehrkräfte daher für jeden Schüler eine Empfehlung über seine weitere Schullaufbahn ab.

 

Es darf - wie schon seit Jahren - der Schluss erlaubt sein, dass viele Grundschulempfehlungen schlichtweg falsch sind.

 

Da die Empfehlung der Grundschullehrkräfte einen sog. Verwaltungsakt darstellt, der, wie jedes andere staatliche Handeln auch, von einem Gericht auf seine Richtigkeit hin überprüft werden kann, kann die Überprüfung der Grundschulempfehlung nur empfohlen werden.

 

Halten die Eltern an ihrer Wahl der weiterführenden Schule "Gymnasium" fest und besucht das Kind das Gymnasium, obwohl die Grundschule "Realschule" empfohlen hat, kann die böse Überraschung noch kommen - die nennt sich dann Querversetzung.

 

  • Zunächst lässt sich die Entwicklung eines Schülers für die Zukunft nicht sicher vorhersagen. Wie der Begriff "Grundschulprognose" schon selbst aussagt, handelt es sich bei einer Prognose um eine Voraussage oder schlicht um eine unsichere Vorhersage darüber, ob ein Schüler erfolgreich am Unterricht z. B. eines Gymnasiums wird teilnehmen können.

  • Um Grundschüler "begabungsgerecht" auf das zwei - bzw. dreigliedrige Schulsystem verteilen zu können, scheint vorrangig die Frage "was ein Kind nicht kann" zu sein. Bei all der Suche nach den Schwächen kann eine (vielleicht verlangsamte) Entwicklung eines Kindes schon mal aus dem Blick geraten. Der (ehemalige) Vorsitzende des VBE, Dr. Eckinger, brachte diese Situation in einem Interview auf den Punkt: "mehr Schatzsuche und weniger Defizitfahndung".

  • Im Jahr 2008 führte der OECD - Policy Brief (Wirtschaftsbericht Deutschland 2008, April 2008) auf Seite 7 aus "starke Effekt, den der sozioökonomische und/oder Migrationshintergrund auf die Bildungsergebnisse ausübt".

  • Im Jahr 2009 hat Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis hat in einem Interview mit bildungsklick.de (10.02.2009) geäußert: "Die Zuweisungsmechanismen im dreigliedrigen System - das sagt uns wiederum die empirische Forschung - funktionieren nicht gut. Offensichtlich ist eine hohe Anzahl von Entscheidungen völlig unfundiert, ja sogar falsch. Glaubt man dieses Daten, dann beträgt der Anteil der Fehlentscheidungen rund 40 Prozent."

  • Im Jahr 2010 führte die 2. World Vison Kinderstudie 'Kinder in Deutschland 2010' des TNS Infratest Sozialforschung aus, dass "Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei der grosse Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft der Schülerinnen und Schüler und den Schullaufbahnempfehlungen der Lehrkräfte. Bei gleicher Kompetenz haben Kinder aus den oberen Schichten in Deutschland deutlich häufiger ein Gymnasialempfehlung als Kinder aus den unteren Schichten." (Seite 162, mit weiteren Nachweisen).

 

Ich führe hier Aussagen aus 2010, sogar aus 2008 an, mittlerweile schreiben wir das Jahr 2016. Im Bildungsbericht 2014 (Autorengruppe Bildungsberichterstattung - Bildung in Deutschland 2014) konnten wir es aber schon wieder lesen, noch immer wird von "Kindern aus Familien mit Risikolagen" gesprochen.

 

Jahr für Jahr lesen wir in Berichten und Studien, dass Kinder aus "Oberschicht" - Familien deutlich häufiger eine gymnasiale Empfehlung der Grundschule erhalten sollen als Kinder aus "Unterschicht" - Familien. Kinder aus ärmeren Familien oder aus Einwandererfamilien erhalten von der Grundschule oft nur eine Empfehlung für die (frühere) Hauptschule.

 

Diese Zeilen stehen seit Jahren auf den Seiten des Infoportals, es scheint, als habe sich trotz aller Erkenntnisse nichts geändert. Gegen eine fehlerhafte Empfehlung kann sich eine Familie aber wehren. Oder in einer Beratung werden alternative Wege zum Abitur/FH-Reife aufgezeigt.

Durch maßgeschneiderte Beratung vom Rechtsanwalt individuelle Handlungsmöglichkeiten kennenlernen.

 

Wir beraten in allen Bildungs- und Berufsfragen, kennen aus langjähriger Erfahrung viele Tipps und Kniffe. In einer sich rasch verändernden Welt ist es unerlässlich, sich mit den Chancen und Risiken der Bildungs- und Berufswahl zu befassen. Unsere Erfahrung bietet Orientierung in für den Laien unübersichtlichen Lebenslagen.

 

Wir bieten keine Standardlösungen, sondern schauen uns sorgfältig Ihre Unterlagen an, klären im Dialog die besonderen Umstände Ihrer Situation, überprüfen auf dieser Basis die Rechtslage und unterbreiten Ihnen dann einen individuellen Vorschlag für ein mögliches Vorgehen.

 

 

Die hier bereitgestellten Informationen dienen allgemeinen Informationszwecken. Sie ersetzen keinesfalls eine persönliche Beratung durch einen Rechtsanwalt und eine Durchsicht der Unterlagen. Bitte beachten Sie daher unsere Nutzungshinweise und "Haftung ausgeschlossen".

 

bildungsanwalt.de / bildungs-anwalt.de ist ein Angebot der Kanzlei

else.schwarz Rechtsanwälte Partnerschaft

Senefelderstraße 5a

65205 Wiesbaden

mail@else-schwarz.de

www.else-schwarz.de


Telefon +49 (0)6122 932 920 3

Aktualisierung: 2017/07/11 - Redakteurin: Rechtsanwältin Sibylle Schwarz

bildungsanwalt